Kritische Infrastrukturen

Die deutsche Wikipedia kennt „Kritische Infrastrukturen“ (KRITIS) seit Ende 2004, spätestens seit dem „Münsterländer Schneechaos“ Ende 2005, bei dem gut 250.000 Menschen bis zu vier Tage vom Stromnetz getrennt waren, können sich große Teile der Bevölkerung zumindest vorstellen, worum es sich dabei handeln könnte.

Das für diesen Bereich zuständige Bundesministerium des Inneren teilt die kritischen Infrastrukturen in neun Sektoren auf:

  • Energie
  • Informations- und Telekommunikationstechnik
  • Transport und Verkehr
  • Gesundheit
  • Wasserver- und entsorgung
  • Ernährung
  • Finanz- und Versicherungswesen
  • Staat und Verwaltung
  • Medien und Kultur

Kritisch sind diese Infrastrukturen deswegen, weil sie für die öffentliche Sicherheit bzw. das Gemeinwesen von herausragender Bedeutung sind. Ausfälle auf diesen Gebieten haben häufig deutlich spürbare Auswirkungen auf die gesamte Bevölkerung eines betroffenen Gebietes. Um Ausfällen vorzubeugen, erfahren diese Infrastrukturen in den letzten Jahren besondere Aufmerksamkeit der verantwortlichen Stellen.

Während die Ausfälle in der Vergangenheit in der Regel auf Defekte, Fehlbedienungen und Naturereignisse zurückzuführen waren, rückte zuletzt insbesondere der internationale Terrorismus in den Fokus der Betrachtungen. Durch einen gezielten Anschlag auf kritische Infrastrukturen lassen sich mit vergleichsweise wenig Aufwand verheerende Folgen für ganze Landstriche herbeiführen. Um derartige Risiken zu minimieren wurde zuletzt u.a. häufig über gesperrte Lufträume über Atomkraftwerken diskutiert.

Zunehmend steigt jedoch auch die Bedrohung durch sog. „Cyber-Attacken“, welche das Ziel haben, über die Steuerungstechnik der kritischen Infrastrukturen Einfluss auf diese zu nehmen – eine für einen potentiellen Angreifer vergleichsweise risikoarme Vorgehensweise. Um die IT-Sicherheit betroffener Infrastrukturen beurteilen und ggf. Verbesserungsvorschläge unterbreiten zu können, hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung einen Forschungsschwerpunkt geschaffen, bei dem diese Thematik interdisziplinär und direkt mit Betreibern kritischer Infrastrukturen beleuchtet wird.

Der Schwerpunkt dieser Untersuchungen liegt dabei naturgemäß auf dem Gebiet der (Wirtschafts)informatik, die sich über technische Lösungen Gedanken macht. Wenigstens am Rande spielt das Thema Datenschutz immer wieder eine Rolle, was die Beteiligung entsprechender Einrichtungen in diesem Förderschwerpunkt nach sich zieht. So müssen entwickelte Schutzeinrichtungen beispielsweise getestet werden, was sich häufig nur an im Wirkbetrieb befindlichen Systemen machen lässt. Hier stellt sich nun u.a. die Frage, ob und inwieweit die Privatsphäre der betroffenen Mitarbeiter betroffen ist. Aber auch bei der Entwicklung neuer Schutzmechanismen ist der Datenschutz regelmäßig zu berücksichtigen. Um dies von Anfang an zu gewährleisten, werden viele Projekte von juristischen Einrichtungen begleitet.

Nach der Bewerbungs- und Konzeptionsphase fand nun in Augsburg eine Kick-off – Veranstaltung des Förderschwerpunkts statt, bei der alle beteiligten Projekte vorgestellt worden und eine Gelegenheit zur Vernetzung der einzelnen Beteiligten geschaffen worden ist. Zusätzlich wurde Dritten die Gelegenheit gegeben, sich über die Arbeit des Förderschwerpunkts zu informieren.

Die Laufzeit des Förderschwerpunkts ist je nach Projekt bis Ende 2018 angelegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *