Lasst die Spiele beginnen…

Verdient digitales Spielen ein Leistungsschutzrecht?

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift für Urheber- und Medienrecht (ZUM 4/13) befasst sich Wiss.Mit. Phillip Hofmann mit der Frage, ob das Spielen von Echtzeitstrategiespielen auf professioneller Turnier-Ebene mit einem Leistungsschutzrecht nach Urheberrecht belohnt werden sollte.

Mit ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung rücken Computerspiele in den Fokus des Urheberrechts. Als Erzeugnis der Kreativindustrie wird ihre Verwertung umfassend rechtlich abgesichert. Sowohl für das Computerprogramm als auch für das Computerspiel als filmähnliches Werk und die in ihm enthaltenen einzelnen Werkbestandteile wurde ein Schutz nach Urheberrecht begründet. Jüngst wurde insoweit auch ein Schutz der insbesondere bei Computerstrategiespielen sehr komplexen Spielsysteme diskutiert (vgl. Hofmann CR 2012, 281). In Echtzeitstrategiespielen zeichnet es maßgeblich für Balance und Spielgefühl verantwortlich und erhebt den Spielenden durch die zur Verfügung gestellte spielerische Varianz zum weithin selbstbestimmten Protagonisten. Deshalb ist es Zeit, den Blick auf die Spielerseite zu lenken. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht der Typus des Pro-Gamers, der sich durch seine Spielleistung vom durchschnittlichen Spieler unterscheidet und regelmäßig über das Spielen Einnahmen erzielt: Echtzeitstrategiespiele werden in eigenen Ligen und auf internationalen Turnieren gespielt. Teilweise gibt es hierbei hohe Preisgelder zu gewinnen. Die Wettkämpfe stoßen auf erhebliches öffentliches Interesse und werden im Internet und im klassischen Fernsehen übertragen. Die besten Spieler werden wie Popstars gefeiert. Nicht selten betreiben sie eigene Kanäle, auf denen sie ihre Partien streamen und darüber erhebliche Werbeeinnahmen erzielen. Auf der anderen Seite kommt es vor, dass ungefragt Partien als Replay ins Netz gestellt werden; sehr zum Leidwesen der Spieler, die dadurch in der kommerziellen Verwertung beeinträchtigt werden. Zudem sehen sie sich darüber in ihren Strategien ausgeforscht und werden demzufolge bei Turnieren berechenbarer. Entsprechend stellt sich die Frage nach der rechtlichen Absicherung der Spielenden. Der Aufsatz diskutiert diesbezüglich die Möglichkeit, Pro-Gamer mittels eines Leistungsschutzrechts als ausübende Künstler gemäß § 73 UrhG rechtlich abzusichern. Nach einer dogmatischen Einordnung der Leistungsschutzrechte ins UrhG und unter Subsumtion der einzelnen Voraussetzungen wird ein Schutz für untypisch, aber keineswegs unmöglich befunden. Hierbei wird umfassend zur Betätigung klassischer Sportarten abgegrenzt, für die die Zuerkennung eines Leistungsschutzrechts ständig in der Diskussion steht, im Ergebnis jedoch de lege lata zu Recht abgelehnt wird.

Phillip Hofmann, Verdient digitales Spielen ein Leistungsschutzrecht – Zum Begriff des ausübenden Künstlers im geltenden Urheberrecht, ZUM 2013, 279.

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